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HORSE RESORT in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG

Etwa ein Dutzend Pferde regenerieren im Horse Resort Rotegg zwischen grünen Hügeln, von den Besitzern abgeliefert, um nach allen Regeln der Veterinärskunst wieder auf Trab gebracht zu werden. Rennpferde mit kaputten Sehnen, Dressurpferde mit kaputter Verdauung, Springpferde mit kaputter Psyche. Es gibt kaum eine Heilmethode, die Peter Brack, gebürtiger Schweizer, auf seiner Anlage nicht anbietet.
 
Bei der Hydrotherapie im Equine Spa schießt eine zwei Grad kalte Lösung aus Salzwasser und Sauerstoff um lädierte Pferdebeine. Eigentlich seien Salz, Sauerstoff und Kälte ein bewährtes Mittel zur Behandlung von Entzündungen, sagt Brack, auch beim Menschen. Nur will sich kaum ein Pferd in den Kasten schieben und unter Wasser setzen lassen.
 
Ich beschreibe ein bisschen die Stute im Equine Spa. Dann: 40 Euro werden ihre Besitzer bezahlen. Zusätzlich zu den monatlich 550 Euro für Futter und Unterkunft im Resort.
 
Als nächstes stellt Brack ein braunes Dressurpferd mit Verdauungsproblemen in ein großes Solarium und knipst die roten Wärmelampen an. Lockert die Muskeln, fördert Durchblutung und Stoffwechsel. „All sowas“, sagt der Tierarzt mit einer kleinen Handbewegung, „ist bei Sportpferden regelmäßiges Präventivprogramm“.
 
„Viele Therapien wie Reiki, Heilkristalle oder Tiersaunas dienen weniger der Genesung des Pferdes, als dass sie seinen Besitzer beruhigen.“
 
In Deutschland leben mehr als eine Millionen Pferde und Ponys. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium werden dafür jedes Jahr insgesamt weit über fünf Milliarden Euro bezahlt, Tendenz steigend. Auch die Ausgaben speziell für Tiermedizin wachsen seit einem Jahrzehnt, wie der Bundesverband für Tiergesundheit mitteilt.
 
  Mit der den Fortschritten in Technik und Pharmazie sind nicht nur die Kosten, sondern auch die Heilungschancen gestiegen. War früher ein Pferdebeinbruch meist ein Todesurteil, lässt er sich heute kurieren. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung gibt an, Pferde seien heute ein Jahr länger im Turniersport aktiv, als noch vor zwanzig Jahren. Weil gerade Operationen schnell im vier- und fünfstelligen Bereich kosten und Behandlungen so bisweilen mehr kosten als die Tiere selbst, steigt laut Anbietern auch die Nachfrage nach Pferde-Krankenversicherungen.
 
Gleichzeitig kneten, pendeln und tapen an Deutschlands Reitställen auch immer mehr alternative Heiler. Der Preis ist hoch, die Wirksamkeit umstritten. Und oft müssen die Pferde dafür nicht einmal richtig krank sein. Tierarzt Peter Brack fasst das so zusammen: „Auch beim Freizeitpferd geht der Trend zur Prävention.“
 
  Das Pony mag nicht galoppieren? Der Reiki-Meister legt die Hand auf. Die Stute hüstelt? Der Heilpendler pendelt durch die Stallgasse. Das Fohlen hat sich den Rücken gezerrt? Die Decke drauf mit den eingenähten Kristallen. Die Erkältungssaison naht? Ab in die Pferdesauna, zum Beispiel im „Kur- und Wellness-Hotel für Pferde“ im ostfriesischen Filsum.
 
All das kennt Tierarzt Peter Brack. Er hebt die Schultern, breites Schmunzeln. „Kann man auch machen. Solange man die klassische Behandlung mit wissenschaftlich erwiesener Wirkung nicht weglässt.“
Er bietet ein Rehaprogramm für psychisch belastete Pferde an; die Patienten, zu Hause meist in den üblichen Einzelboxen gehalten, stellt er dann erst mal einfach in der Herde auf eine Weide. „Das ist artgerecht, da entspannen sich die meisten von allein.“
 
„Die Besitzer verstehen nicht, dass es einfach eine Weile dauert, bis Schäden ausheilen. Und sie haben Angst, an der Gesundheit ihres Pferdes zu sparen. Deshalb wollen sie mehr Therapie als nötig.“
 
Lange Passagen zu Totilas. Dann:
 
Der Chef des deutschen Dressurausschusses, Klaus Roeser, sagte nach Totilas’ Diagnose, er kenne im Sport „kein Pferd, das nicht irgendwo ein Problem hat“. Demnach wäre der Pferdesport immer auch ein Wettkampf der Tierärzte.
  Der beginnt bereits im Amateursport. Peter Brack hat lange auf Turnierplätzen bei kleineren Wettbewerben gearbeitet, bevor er sein Rehazentrum eröffnete. „Wenn ein Pferd plötzlich lahmt, wissen die Reiter oft genau, dass eine schnelle Spritze hilft.“ Hyaluron, Kortison, Schmerzmittel. Alles möglichst so dosiert, dass es bei der Dopingkontrolle nicht auffällt. „In der Schweiz gibt es nächtliche Treffen auf Parkplätzen“, erzählt er. „Da karren sie lahme Sportpferde an, um sie rasch fitzuspritzen.“ Unter Tierschützern und Sportfunktionären verpönt und dennoch gängige Praxis. Auch in Bayern reichen sich Turnierreiter die Nummer eines Veterinärs mit Allerweltsname weiter, der angeblich lahme Pferde in Minuten zum Laufen zu kriegt.
 
 
All das war schon vor Jahrzehnten so. Aber noch nie waren Verletzungspausen von Hochleistungspferden so schmerzhaft teuer. Turnierserien umspannen heute den ganzen Globus, Pferde treten unter viel größerem Aufwand heute in Paris, morgen in Dubai an. Preisgelder sind bis in den sechs- und siebenstelligen Bereich gewachsen. Sponsoren, Publikum, Reiter, Trainer, Veranstalter – alle haben ein Interesse daran, dass das Pferd im Viereck, im Parcours, auf der Rennstrecke eine perfekte Show liefert. Und nicht zuletzt auch der Tierarzt.
 
Alle Versuche, Totilas fit zu bekommen, sind offenbar gescheitert.
  Peter Brack sagt, dass auch die Besitzer von Wald- und Wiesenponys im Kampf gegen Krankheit und Verletzungen nichts unversucht lassen. Pferdekommunikation zum Beispiel. „Bei immer mehr Anbietern müssen die Leute nur anrufen, ein paar biografische Daten des Pferdes durchgeben und schon erfahren sie, was das Pferd braucht.“ Er schüttelt den Kopf, das Gesicht vom Solariumlicht gerötet. „Ich habe eine Kundin, der hat die Kommunikatorin mitgeteilt, dass ihr Pferd lieber in Frankreich leben möchte. Irrsinn!“

 

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